»Öl als strategische Waffe im Nahost-Krieg?« Benjamin Steininger am 22.3.2026, 8:10, live im Deutschlandfunk

link zur DLF-Website und dem Audiofile hier

Zu diesem Interview erreichen uns auch kritische Anmerkungen zu einem zu alarmistischen Fokus auf den fossilen und damit nicht mehr zukunftsweisenden Energieträger.

1. Selbst bei großem Interesse an ruhiger Ausgewogenheit kann es sein, dass in einem Live-Interview an einem frühen Sonntag Morgen der eine oder andere balancierende Gedanke zu kurz kommt. In diesem Blog finden sich weitere Interviews der letzten Monate, die unsere Sicht ergänzen.

2. Die Lage ist tatsächlich ernst. Ernster als andere, gewohnte. Nicht zuletzt, weil es eben nicht nur um Öl geht, sondern auch um die chemische Verwandtschaft aus Erdgas, Kunstdünger, Schwefel, Edelgasen etc.

3. Selbst wenn man von der Falschheit der Abhängigkeit von allen diesen Stoffen überzeugt ist, kann man sich am kalten Entzug ganzer Welthälften insbesondere in Asien kaum erfreuen. Explodierende Preise für Propan und damit Kochstellen, für Nitratdünger und damit Nahrung, hat in Volkswirtschaften ohne finanzielle Puffer katastrophales Potenzial, von dem hiesige Hupkonzerte keinen Begriff vermitteln. Es kann also sein, dass jetzt das Falsche kurzfristig gestützt werden muss, damit nicht mittelfristig alles Richtige einstürzt.

4. Die Notwendigkeit und Richtigkeit bereits angelaufener Energie- und vor allem Chemiewenden wird durch derartige Szenarien wie jetzt in der Straße von Hormuz bestärkt statt geschwächt. Gerade wenn Öl von einem – bei allen berechtigten Zweifeln doch faktisch auch – liberalen, zu einem autoritären Stoff die Seiten wechselt, und weil sich die strategisch prekären Stoffpaletten auch in postfossilen Szenarien nicht automatisch entspannen, sind Anstrengungen, zu einer technisch aber auch gesellschaftlich anderen Chemie überzuwechseln mehr denn je zu unterstützen. Selbst wenn sie mittlerweile noch längeren Atem brauchen als ohnehin.

»Wer das Öl hat, kann den Fortschritt verhindern« – Interview von Jörg Häntzschel mit Benjamin Steininger in der SZ vom 12.1.2026

(link zum pdf des Interviews hier)

Öl war klarerweise einer der wichtigsten Rohstoffe des 20. Jahrhunderts. Aber was kann man aus den Werkzeugkästen der Geschichte für die Deutung dieser Tage und Wochen zwischen Venezuela, Ukraine und Grönland lernen? Die berechtige Scheu vor schnellen Antworten sollte nicht das Nachdenken über die Zusammenhänge von Geschichte und Gegenwart, Technik, Politik und Ökologie verhindern. (Link hier zum Beitrag auf SZ-Plus (paywall), bzw. zum pdf der Zeitungsseite (free) hier)

»Atlas der Petromoderne: Erdöl, Container und das Denken in Infrastrukturen« – Gespräch von Martin Gasteiner mit Alexander Klose und Benjamin Steininger im »Research Library Podcast« (RLP) der Universität Wien

»Wie lassen sich Erdöl, Container und jene Infrastrukturen denken, die unsere Gegenwart ermöglichen – meist, ohne dass wir sie bewusst wahrnehmen? In der aktuellen Folge unseres Podcasts spreche ich mit Benjamin Steininger und Alexander Klose, die gemeinsam das Forschungskollektiv „Beauty of Oil“ bilden. Im Zentrum steht die Frage, wie sich die Petromoderne, ihre Logistik und ihre materiellen Grundlagen theoretisch fassen und erzählerisch sichtbar machen lassen.«

Link zum Podcast mitsamt sehr schönem Glossar der wichtigsten Begriffe des Gesprächs hier

»Der Synthesizer Podcast – Zur Zukunft von Chemie und Gesellschaft.« Ein Projekt von Nona Schulte-Römer und Benjamin Steininger, gefördert von der Berlin University Alliance (BUA)

Chemie ist die Wissenschaft der Transformation. Was aber, wenn sich diese Wissenschaft selbst grundlegend transformieren, wenn Chemiker:innen ihr Forschungs- und Industriefeld neu definieren? Was, wenn das Transformationsziel nicht offen ist, sondern sich an Nachhaltigkeitszielen orientiert? Wie verändert die Chemiewende unsere Kultur und Gesellschaft?

Im Synthesizer Podcast beleuchten wir mit Expert:innen die Hintergründe und Herausforderungen dieser Transformation der Transformationswissenschaft hin zu einer grüneren und nachhaltigeren Chemie.

Gäste der ersten Staffel: Peter Seeberger / Klaus Kümmerer / Maria Andrea Mroginski / Jens Soentgen / Falk Harnisch / Annika Jahnke / Matthias Driess / Klara Winkler & Christopher Blum / Anna Isabel Becker // Link zu allen zehn Folgen hier // und überall wo es podcasts gibt: spotify, youtube, und seit kurzem auch bei wissenschaftspodcasts.de

Benjamin Steininger (UniSysCat) gemeinsam mit Martin Rahmel (Greenchem) im Podcast »Exzellent Erklärt«, Folge: »Chemiewende – Wie grüne Chemie unsere Zukunft prägt«

(link zum Podcast hier: Chemiewende – Wie grüne Chemie unsere Zukunft prägt

Chemie umgibt uns überall – und doch denken viele nur an Schulunterricht und Reagenzgläser. In dieser Folge geht es darum, warum wir eine ‘Chemiewende’ brauchen, wie Chemie nachhaltiger werden kann und welche Rolle Katalyse dabei spielt. Beleuchtet werden die Herausforderungen der ‘Defossilisierung’ (‘De-Carbonisierung’ würden Chemiker*innen nie sagen, denn auch alle nachhaltige Chemie arbeitet mit Kohlenstoff), innovative Materialien und die Frage, ob wir mit Chemie die Welt retten können. Dabei geht es nicht nur um Forschung, sondern auch darum, wie wir diese in die Praxis bringen – mit viel Innovationsgeist und Mut zur Veränderung.

»Im Bann der fossilen Vernunft« – Vortrag und Gespräch von »Beauty of Oil« in der Reihe »Über Leben im Anthropozän« in der Katholischen Akademie Freiburg, 26.6.2025

Ankündigungsplakat im Freiburger Stadtraum ©Josef Mackert

Petromoderne Anthropologie

Ausgangspunkt ist unser ‘Atlas der Aetromoderne’. Wir erklären Form, Intention und Gewinn einer Herangehensweise, die es erlaubt, zwischen zeitlichen Skalen und räumlichen Maßstabsverhältnissen zu springen und Verbindungen herzustellen zwischen scheinbar heterogenen oder weit auseinanderliegenden Wissens- und Erfahrungsfeldern: vom molekularen zum planetarischen, vom kleinen technischen Detail zur globalen Infrastruktur, vom Knacken einer Schallplatte zum Donnner von Kanonen, von einer getuschten Wimper zu einem Meeresstrand aus Plastikgranulat, vom Körperinneren zum Erdäußeren.

Präsentationsfolie. Diese und alle anderen Collagen auf dieser Seite: Beauty of Oil 2025

Die exzeptionelle Dynamik der Epoche der Moderne − was wir wissen, wie wir leben, was wir erwarten − hängt auf vielfältige Weise an der Nutzung fossiler Naturgeschichte in Form von Kohle, Öl und Gas.

Die Moderne ist eine ‘Petromoderne‘ in nahezu all ihren Errungenschaften, Abgründen und Widersprüchen.   Um die Position des Menschen in dieser Epoche zu deuten, um zu ermitteln, was wir hinter uns lassen sollten, aber auch, worum es zu kämpfen gilt, müssen alle Skalen zwischen molekularen, technischen, historischen, kulturellen und planetarischen Prozessen zusammengedacht werden.

Nur wenn wir ‘fossile Vernunft’ als solche verstanden haben, können wir unsere Gesellschaften postfossil weiterentwickeln. Denn der notwendige Abschied von fossilen Energieträgern betrifft weit mehr als nur Mobilität und Heizung.

Die conditio humana, so unsere These, in die die Menschen der industriellen Zivilisation eingetreten sind, und aus der heraus sie die gewaltige Aufgabe haben, Verantwortung für den gesamten Planeten zu übernehmen und ihr zukünftiges Handeln danach auszurichten, ist eine petromoderne conditio. angemessene Anthropologien dafür sind aber erst im entstehen (etwa im Begriff der ‘Geoanthropologie’).

Brett Bloom, Petro-Subjectivity Map (https://breakdownbreakdown.net/petro-subjectivity/).

Mehr noch als der nicht zuletzt geschichtsphilosophische Begriff des Anthropozän erlaubt es der Blick über den Begriff der Petromoderne, die materiellen Voraussetzungen der Technologien und Handlungsweisen, Denkmuster und Ansprüche, die unsere gegenwärtige Lage definieren, zu erkennen und zu benennen. er setzt keinen einheitlichen ‘Anthropos’ voraus, sondern folgt den sehr unterschiedlichen, petromodernen Techniken, Geografien, Politiken rund um den Globus und durch die Geschichte, um herauszufinden, welche Mensch-Erde-Interaktionen dort jeweils wirksam sind.

Link zum Archiv der Veranstaltung

Pdf der Veranstaltungsreihe Über Leben im Anthropozän zum download