»Im Bann der fossilen Vernunft« – Vortrag und Gespräch von »Beauty of Oil« in der Reihe »Über Leben im Anthropozän« in der Katholischen Akademie Freiburg, 26.6.2025

Ankündigungsplakat im Freiburger Stadtraum ©Josef Mackert

Petromoderne Anthropologie

Ausgangspunkt ist unser ‘Atlas der Aetromoderne’. Wir erklären Form, Intention und Gewinn einer Herangehensweise, die es erlaubt, zwischen zeitlichen Skalen und räumlichen Maßstabsverhältnissen zu springen und Verbindungen herzustellen zwischen scheinbar heterogenen oder weit auseinanderliegenden Wissens- und Erfahrungsfeldern: vom molekularen zum planetarischen, vom kleinen technischen Detail zur globalen Infrastruktur, vom Knacken einer Schallplatte zum Donnner von Kanonen, von einer getuschten Wimper zu einem Meeresstrand aus Plastikgranulat, vom Körperinneren zum Erdäußeren.

Präsentationsfolie. Diese und alle anderen Collagen auf dieser Seite: Beauty of Oil 2025

Die exzeptionelle Dynamik der Epoche der Moderne − was wir wissen, wie wir leben, was wir erwarten − hängt auf vielfältige Weise an der Nutzung fossiler Naturgeschichte in Form von Kohle, Öl und Gas.

Die Moderne ist eine ‘Petromoderne‘ in nahezu all ihren Errungenschaften, Abgründen und Widersprüchen.   Um die Position des Menschen in dieser Epoche zu deuten, um zu ermitteln, was wir hinter uns lassen sollten, aber auch, worum es zu kämpfen gilt, müssen alle Skalen zwischen molekularen, technischen, historischen, kulturellen und planetarischen Prozessen zusammengedacht werden.

Nur wenn wir ‘fossile Vernunft’ als solche verstanden haben, können wir unsere Gesellschaften postfossil weiterentwickeln. Denn der notwendige Abschied von fossilen Energieträgern betrifft weit mehr als nur Mobilität und Heizung.

Die conditio humana, so unsere These, in die die Menschen der industriellen Zivilisation eingetreten sind, und aus der heraus sie die gewaltige Aufgabe haben, Verantwortung für den gesamten Planeten zu übernehmen und ihr zukünftiges Handeln danach auszurichten, ist eine petromoderne conditio. angemessene Anthropologien dafür sind aber erst im entstehen (etwa im Begriff der ‘Geoanthropologie’).

Brett Bloom, Petro-Subjectivity Map (https://breakdownbreakdown.net/petro-subjectivity/).

Mehr noch als der nicht zuletzt geschichtsphilosophische Begriff des Anthropozän erlaubt es der Blick über den Begriff der Petromoderne, die materiellen Voraussetzungen der Technologien und Handlungsweisen, Denkmuster und Ansprüche, die unsere gegenwärtige Lage definieren, zu erkennen und zu benennen. er setzt keinen einheitlichen ‘Anthropos’ voraus, sondern folgt den sehr unterschiedlichen, petromodernen Techniken, Geografien, Politiken rund um den Globus und durch die Geschichte, um herauszufinden, welche Mensch-Erde-Interaktionen dort jeweils wirksam sind.

Link zum Archiv der Veranstaltung

Pdf der Veranstaltungsreihe Über Leben im Anthropozän zum download

»Beauty of Oil« meets »Guilty Pleasures.« The »Atlas of Petromodernity« at KWI Essen, 13.5.2025, 18:30

Online (Zoom) & Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Gartensaal, Goethestr. 31, 45128 Essen

For further information, for the zoom-link (if you can’t make it to Essen) visit the KWI-website

Press the ignition. Hear the combustion engine. Smell the Gasoline fumes. Feel the improbably smooth and bright coloured plastic surfaces of a vehicle’s interior. Ride. Dream. What do you see?

Petroleum has enabled and shaped modern experience. Beauty and horror lie closely together in the petrol age. With their research collective ‚Beauty of Oil‘, Alexander Klose and Benjamin Steininger trace the deeply ambivalent character of fossil energy and matter through layers of knowledge, politics, arts, ecologies, and everyday lives. Their ‚Atlas of Petromodernity‚ (Santa Barbara 2024, Berlin 2020) maps a panorama of technologies, geographies, histories, and experiences with what is both a chemical energy resource and a cultural drug connected to almost all our epoch’s forms of pleasure and guilt.

»Fischer Tropsch: A Key Principle of Industrial Chemisty in the Anthropocene« – Keynote by Benjamin Steininger at »100 Years Fischer-Tropsch Process. A Central Pillar of Future Energy Systems«, conference at Mülheim Ruhr by DECHEMA, MPICEC, MPIKOFO

It was a pleasure, and frankly also quite an honor, to deliver alongside leading chemists the only keynote lecture by a non-chemist at this big international event at Mülheim//Ruhr on May 5 2025.

These events show how important it is for petromodernity research from the cultural sciences to get in touch and to keep contact to the practitioners of chemistry innovation.

It is important for both sides, since it is us to deliver topics and keywords that chemists interact with their work without noticing, and that otherwise might have not be mentioned at such conferences such as »Anthropocene«, »petromodernity«, »chemical geography«, »chemical cultural theory«, »Chemiewende«, »Geoanthropology«…

To adjust a famous quote: Chemists are the ones that are changing the world in different ways, but it will still take something like philosophers to interpret.

»Tank oder Teller« – Werkleitz Festival 2024 in Halle (Saale) kuratiert von Daniel Herrmann und Alexander Klose, Mitarbeit an der Ausstellung Benjamin Steininger

Energieraps oder Weizen? Kartoffeln oder Sonnenkollektoren? Angesichts der Vielfalt gegenwärtiger Gefahrenlagen fragen sich viele, ob es richtig ist, landwirtschaftliche Flächen für Energie zu verwenden statt für die Ernährung. Sie, die Besucher:innen unserer Ausstellung, sind eingeladen, sich auf einen Parcours der Sichtweisen und Gefühlslagen über die Landwirtschaft zu begeben. Dort finden Sie keine eindeutigen Antworten, aber historische und aktuelle, spekulative und spielerische, wissenschaftliche und künstlerische Anregungen zu einer Neubetrachtung. Der Parcours erstreckt sich über zwei Stockwerke und korrespondiert mit den in fünf Boxen gezeigten Filmen.

Alles fängt mit den Aktivitäten im und um den Boden an und mit dem direkten und indirekten Zuströmen der Energie der Sonne. Beileibe nicht zum ersten Mal wird es heute als krisenhaft empfunden. Dass Landwirtschaft, Kultur und Gesellschaft aufs Engste zusammenhängen, zeigen die auf einer „crazy wall“ versammelten Bilder der Landwirtschaft aus mehreren Jahrtausenden. Nichts hat in dieser langen Geschichte so weitreichende Folgen gezeitigt wie die Industrialisierung. Wie viel fossile Energie steckt in heutigen landwirtschaftlichen Produkten? Auf einer „detective wall“ zur Stickstoff-Verschwörung können Sie einigen zentralen Zusammenhängen dieser Veränderungen auf die Schliche kommen. In einem Pflanzregal im ersten Stock schließlich begegnen sich die Spur des Traktors – die auch auf das Schlachtfeld führt –, ein Kulturpflanzen-Quartett, die „glokale“ Geschichte des Zuckers und die historische Dynamik von Kollektivierung und Kapitalisierung.

(bald mehr!)

Alexander Klose / Benjamin Steininger »Petromoderne Permanenz und Wiederkehr«, Gespräch mit Birgit Schneider, im Rahmen der Veranstaltung »Abschied von den Fossilkulturen«, Literaturforum im Brecht-Haus, Berlin, 17.1.2024, 17:30

Kalte Asche und Petromelancholie. Energie ist nicht nur, was aus Leitungen kommt. Energieformen prägen Kulturformen – in ihrer materiellen Gestalt wie in ihren Denkmöglichkeiten. Darüber hinaus ist »energeia« seit Aristoteles eine Wirkkraft, die ein Potenzielles ins Sein bringt, etwas vor Augen führen kann – und damit eine genuin poetologische Kategorie. Was bedeutet es für die Literatur als energetische Kunst, dass sich ein Abschied von den Fossilkulturen abzeichnet?

Zu diesen Fragen fanden am 17.1.2024 zwei Diskussionsrunden im Brecht-Haus Berlin statt, eingeleitet von Steffen Richter. (mehr Infos)

17:30, Alexander Klose / Benjamin Steininger, »Petromoderne Permanenz und Wiederkehr«, Impulsvortrag und Gespräch mit Birgit Schneider.

20:00, »Energiekämpfe in der Gegenwart«. Mit Burkhard Spinnen (»Rückwind«, 2019), Susanne Stephan (»Der Held und seine Heizung. Brennstoffe der Literatur«, 2023) und Theresa Hannig (»Pantopia«, 2022). Moderation Matthias Bertsch.

Video der gesamten Veranstaltung:

Ein dichter und inspirierender Einführungstext zur Veranstaltung von Steffen Richter, der am 16.01.2024 im tagesspiegel erschienen ist, kann hier abgerufen werden.

Mein Schatz / My precious

Exhibition on post-mining landscapes and mentalities, on mining that takes place elsewhere, and on the relation between precious metals and digital culture.

Co-curated by Beauty of Oil’s Alexander Klose together with Daniel Herrmann, artistic director of Werkleitz.

From June 2nd to 18th on the compound of Wiederstedt Castle, where the early romantic poet Novalis spent his childhood, in Mansfeld county, a former mining region 40 km west of Halle (Saale).

Egill Sæbjörnsson, Troll Coins, 2023. Installation video @Alexclose

Nature does not want to be the exclusive possession of a single individual.
(Novalis, Heinrich von Ofterdingen)

What is My Precious today? And what does that still have to do with exquisite materials from underground? An exhibition project about local and global mining, its consequences as well as its people and natural conditions.

Mansfeld region 2023. The mining district in the triangle between Eisleben, Sandersleben was up until recently a place of hard work down in the mines and in the foundries. Now the region is seeking new added values and virtues. It is said that mining shapes people in a special way. Today, 30 years after the abrupt end, what about the afterlife and survival of the old values? What new values have been created?

Werkleitz has invited ten internationally working artists for the 2023 My Precious festival. With eight new works created specifically for the festival and two works adapted to the local conditions, they respond to the complex mélange of questions that arise when looking at the Mansfeld region today. A film room curated by Florian Wüst in the Inspektorhaus, as well as a dense program of artist talks, guided thematic walks, workshops for children, concerts, readings, and much more complete the festival offerings. Lena Reisner, whose exhibition Fossil experience could be seen in Berlin in 2022, was invited as a free curatorial researcher and came back with stories about women in the mines from Saint Barbara to actual workers.

Spray painted wooden Figurine of Saint Barbara at cellar entrance ©Falk Wenzel

The participating artists were, in alphabetical order: Ana Alenso, Mabe Bethônico, Karsten Bott, Viktor Brim, Felicitas Fäßler, Juliane Henrich, Stephanie Kiwitt, Barbara Marcel, Agnieszka Polska, and Egill Sæbjörnsson.

Here are installation views of the works, all photos © Falk Wenzel.

Mabe Bethonico, The Collective Dig. A Papertheatre on the Myths of Extraction, 2023
Barbara Marcel, Golden Tone, 2018-21
Felicitas Fässler, Outcrop, 2023
Karsten Bott, One Of Each – Kahlenberg/Bott, 2023
Agnieska Polska, The Demon’s Brain, 2018
Juliane Henrich, Dendrites, 2023
Stephanie Kiwitt, S. Anders leben, 2023
“Mein Schatz Kiste”/mediation station about women in the mines, realized in cooperation with Lena Reisner
Victor Brim, the cavity inside, 2023

A thorough description of all the artistic works and the complete program can be found at: https://mein-schatz.werkleitz.de/en/mein-schatz/ausstellung

Here’s a selection of reviews in print, radio and television (all in German, though):

Monopol Magazin, „Tipps und Termine, Wohin am Wochenende?“ (2.6.23)

MDR Kultur Online, „Ausstellung, Filme und mehr: Werkleitz Festival befasst sich künstlerisch mit Bergbau-Folgen“ (1.6.23)

Radiofeature Deutschlandfunk Kultur „Fazit“, “Werkleitz Festival im Mansfelder Land: Auf der Suche nach ‘Mein Schatz’” von Niklas Ottersbach (4.6.23, 23:00) 

Radiofeature MDR Kultur, Das Radio, „Mein Schatz – Was das Werkleitz Festival in Wiederstedt 2023 zu bieten hat“ von Anne Sailer (2.6.23, 6:00) 

Short feature on the festival on MDR Artour, (8.6.2023). Here is the link to the ARD-Mediathek. 

Conversation with Alexander Klose at “Radiozwitschern. Uniradio Halle” (9.6.23, 14:00) on free radio Corax, Halle.

»BEAUTY OF OIL«, 25.2.2023, 20:40, Ein Gespräch mit Benjamin Steininger am Volkstheater Wien

Das Gespräch von Dramaturg Matthias Seier mit Benjamin Steininger über Ästhetik und Politik der Petromoderne war Teil von: TIEFENBOHRUNG. Ein Wochenende über Triumph und Tragödie des Ölzeitalters.

Das Schwerpunktwochenende zum Erdöl als einer Substanz, die wie keine andere die Wirklichkeiten dieses Planeten durchdringt und beeinflusst, begleitet die Produktionen BLACK FLAME und ÖL! Es fand statt vom 23. bis 26. Februar 2023 am Volkstheater Wien.

Petromodernity and its Tenacities

Beauty of Oil at the Conjectural Futures Conference 2022, Nov. 17/18 Potsdam

Commissioned and hosted by foresight departments at Evonik and Deutsche Bahn and co-curated by Beauty of Oil-member and speculative designer Bernd Hopfengärtner, the conference took place in a beautiful building in Potsdam, the former “Kaiserbahnhof” at the south end of the palace gardens of Sans Soucis. Beauty of Oil-member and cultural researcher Alexander Klose was invited to give a talk on petromodernity and BoO’s activities as opener of the conference’s second session “Tipping Scales – tracing links from particle to planet”.

Here’s what Bernd Hopfengärtner wrote as introduction to this session: “Sometimes, the biggest changes take place in the smallest details. In the 19th century, organic chemistry discovered fossil hydrocarbons, the basic building blocks of petromodernity. The consequences of this discovery – the unleashed availability of energy and the ability to shape material into basically any form – still make up our reality: leisure, freedom, division of labour, nutrition, knowledge society and Tupperware parties on the one hand; geopolitical conflicts, exploitation of people, natural disasters and climate change on the other. What the historical mobilisation of hydrocarbons was to energy and materials, the emerging manipulation of quantum states might be to information, or the designability of genetic functions to life.
A petro-modern perspective on the history and present shows us how important it is to look for connecting lines between the very small and the very large. What does this perspective tell us about current future technologies? How can we imagine the implications of bio and quantum technologies? What approaches and tools can we use?” (conference program)

And here’s the abstract of Klose’s talk: “Molecular mobilization and molecular history—the accumulative powers of the very small entities in machines and in societies—go hand in hand and reach planetary dimensions in the petromodern era. Its dynamics are composed by the hard powers of science and technology, industry and economics, as well as the soft powers of habits and pretensions, thoughts and beliefs. It is an era of excess: In order to understand what we might have to leave behind, we should not only study energy production and scenarios of scarcity but also consumerism and the promises of abundant lifestyles. If we don’t consider the latter, the molecular dynamics of petromodernity will prevail, even without petroleum.”

Petromodernity and its Tenacities, download presentation here.