»Beauty of Oil« at »Situating Energy. Petrocultures 2026« Dresden, 25.-28.8.2026

With our double panel »The Chemistry of Energy« and the excursion and speculative workshop »Betterfield« to Chemiepark Bitterfeld-Wolfen (curated and performed by NORMALS, Berlin) »Beauty of Oil« was very present at the first Petrocultures conference in Germany (see the program and all abstracts here).

We did understand the conference title and imperative »Situating Energy« both in a technological and in a geographic-historical sense. In fact this double spotlight on downstream/chemistry and on the cultural experiences with multiple petromodernities in Central Europe did enrich the even at Dresden still quite Northern American and quite extraction focused petrocultures debate.

We very much thank all the organisers from TU-Dresden and all our panelists – Lucie Česálková, Věra Dvořáčková, Guillermo Restrepo, Veit Braun, Sarandha Jain, Alexander Wagner, Daniel Wolter, Hannah Müller, Julia-Lena Reinermann, Léo Schillmöller – and all workshop-contributers for their great work!

++ coming soon ++ 10/2026 ++ coming soon++

Die Chemie der demokratischen Gesellschaft ist in einem instabilen Systemzustand. Der ohnehin schleppende Aufbruch in sozial gerechte energetische und materielle Zukünfte scheint ausgebremst, noch ehe er richtig losgegangen war. Mehr Extraktion, mehr Verbrauch, weniger Rücksicht, weniger Ausgleich. Aber unter den ereignisgeschichtlichen Einschlägen des Moments, den Kriegen, Wahlergebnissen und reaktionären Politikwenden, liegen längere Prozesse: der Umbau des Stoffwechsels einer auf Verbrennung gebauten Zivilisation, komplexere chemische Prozessstrukturen, die Ausweitung des extraktivistischen Stoffregimes. Kann eine Kritik der fossilen Vernunft, kann eine neue Geoanthropologie Mensch und Planet produktiv statt destruktiv zusammen denken?

Chemiewende liest das Erstarken disruptiver Machtpolitik als Symptom für einen tiefgreifenden und folgenreichen Umbau in den Naturverhältnissen des anlaufenden Zeitalters – sei es noch ökologisch-demokratisch, oder per Dekret digital-nuklear-technokratisch. Nach der Petro- kommt die Multi-Elemente-Moderne, und die wird nicht weniger explosiv.

»Wo stehen wir in der Petromoderne?« Radiogespräch am 23.4.2026 auf RBB Radio3 mit Benjamin Steininger

Am Mittwoch ging in Berlin der zweitägige “Petersberger Klimadialog” zu Ende. 30 Staaten berieten dort über den Klimaschutz und den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien. Gleichzeitig wurde aber auch bekannt, dass Russland ab Mai kein Öl mehr über die Druschba-Pipeline nach Deutschland liefern will. Über diese bezieht die PCK-Raffinerie in Schwedt derzeit kasachisches Öl. Das sorgte wiederum für große Verunsicherung. Wie abhängig sind wir also immer noch vom Öl?

Link zur Sendung und zum Nachhören

»Öl als strategische Waffe im Nahost-Krieg?« Benjamin Steininger am 22.3.2026, 8:10, live im Deutschlandfunk

link zur DLF-Website und dem Audiofile hier

Zu diesem Interview erreichen uns auch kritische Anmerkungen zu einem zu alarmistischen Fokus auf den fossilen und damit nicht mehr zukunftsweisenden Energieträger.

1. Selbst bei großem Interesse an ruhiger Ausgewogenheit kann es sein, dass in einem Live-Interview an einem frühen Sonntag Morgen der eine oder andere balancierende Gedanke zu kurz kommt. In diesem Blog finden sich weitere Interviews der letzten Monate, die unsere Sicht ergänzen.

2. Die Lage ist tatsächlich ernst. Ernster als andere, gewohnte. Nicht zuletzt, weil es eben nicht nur um Öl geht, sondern auch um die chemische Verwandtschaft aus Erdgas, Kunstdünger, Schwefel, Edelgasen etc.

3. Selbst wenn man von der Falschheit der Abhängigkeit von allen diesen Stoffen überzeugt ist, kann man sich am kalten Entzug ganzer Welthälften insbesondere in Asien kaum erfreuen. Explodierende Preise für Propan und damit Kochstellen, für Nitratdünger und damit Nahrung, hat in Volkswirtschaften ohne finanzielle Puffer katastrophales Potenzial, von dem hiesige Hupkonzerte keinen Begriff vermitteln. Es kann also sein, dass jetzt das Falsche kurzfristig gestützt werden muss, damit nicht mittelfristig alles Richtige einstürzt.

4. Die Notwendigkeit und Richtigkeit bereits angelaufener Energie- und vor allem Chemiewenden wird durch derartige Szenarien wie jetzt in der Straße von Hormuz bestärkt statt geschwächt. Gerade wenn Öl von einem – bei allen berechtigten Zweifeln doch faktisch auch – liberalen, zu einem autoritären Stoff die Seiten wechselt, und weil sich die strategisch prekären Stoffpaletten auch in postfossilen Szenarien nicht automatisch entspannen, sind Anstrengungen, zu einer technisch aber auch gesellschaftlich anderen Chemie überzuwechseln mehr denn je zu unterstützen. Selbst wenn sie mittlerweile noch längeren Atem brauchen als ohnehin.

»Wer das Öl hat, kann den Fortschritt verhindern« – Interview von Jörg Häntzschel mit Benjamin Steininger in der SZ vom 12.1.2026

(link zum pdf des Interviews hier)

Öl war klarerweise einer der wichtigsten Rohstoffe des 20. Jahrhunderts. Aber was kann man aus den Werkzeugkästen der Geschichte für die Deutung dieser Tage und Wochen zwischen Venezuela, Ukraine und Grönland lernen? Die berechtige Scheu vor schnellen Antworten sollte nicht das Nachdenken über die Zusammenhänge von Geschichte und Gegenwart, Technik, Politik und Ökologie verhindern. (Link hier zum Beitrag auf SZ-Plus (paywall), bzw. zum pdf der Zeitungsseite (free) hier)