»Die große Beschleunigung« Beitrag von Benjamin Steininger in »Albert. Das Journal der Einstein Stiftung Berlin Nr.6 – Katalyse«

»Gäbe es eine Brille, mit der man die Geschichten sehen könnte, die hinter den Stoffen stehen, und würde man diese Brille auf die Wirkung der industriellen Katalyse einstellen – man käme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Fast in jedem Bereich des Alltags sähe man Stoffe, die es bis vor gut 100 Jahren so nicht gab und die seither die Moderne prägen.«

Chemische Reaktionen haben den Planeten zum Gegenstand eines gefährlichen Experiments gemacht. Nun müssen die Systeme der Mobilität, Energieerzeugung, Landwirtschaft und Industrie in voller Fahrt umgebaut werden, um eine planetare Katastrophe zu verhindern.

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»Verheizt und verbrannt«, »Erdöl« in der SZ-Rezension von Jörg Häntzschel vom 10.2.2021

»Noch fackeln wir das Öl also ab wie immer, doch allmählich tut sich eine innere Distanz auf, die es erlaubt, den Irrsinn dieser so märchen- wie albtraumhaften Ära zu überschauen, der “Petromoderne”, wie Benjamin Steininger und Alexander Klose sie im Untertitel ihres an Ideen, Funden und Bildern prallvollen Bands “Erdöl” nennen« (Jörg Häntzschel)

Out now! Alexander Klose, Benjamin Steininger: Erdöl. Ein Atlas der Petromoderne. Berlin: Matthes&Seitz 2020

Das Buch ist vieles in einem: historisches und geografisches Sachbuch, kulturtheoretischer Essay, Bilderbuch. In dreiundvierzig, von ebenso vielen Bild-Fundstücken inspirierten Kapiteln, entwickeln wir ein technisches, geografisches, politisches und spekulatives Panorama der sich neigenden Erdölmoderne.

Wir schlendern nach Baku, Louisiana, in die Mandschurei und durchs Wiener Becken. Wir lesen Karl Valentin, technische Handbücher und hören Neil Young. Es geht zum Mond, durch Raffinerien und über corona-leere Highways. Wir verknüpfen Petrochemie mit Petromelancholie, Katalyse mit Katharsis, Kosmos mit Kosmetik. Es geht um die Abgründe und Höhenflüge eines Stoffes, der unsere Epoche in all ihren Widersprüchen durchzieht, und dessen Rolle für unsere Gegenwart wir verstehen sollten, um ihn dann hinter uns zu lassen.

324 Seiten, 43 Abbildungen, davon 21 in Farbe, Hardcover, 26 EUR, ISBN: 978-3-95757-942-3

»Oil. Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters«. Ausstellung am Kunstmuseum Wolfsburg 6-9/2021

Verheißungen und Verheerungen des 20. Jahrhunderts hängen am Öl. Die Ausstellung fokussiert beides aus einer fiktiven archäologischen Ferne und sucht zugleich eine thematische und emotionale Nähe: Erste Retrospektive auf die Erdölmodere im Spiegel der Kunst.

Jenseits festgefahrener Ideologien konfrontiert »Oil« künstlerische Arbeiten mit Naturwissenschaft und Technik, Politik und Alltagsleben. Klassiker und weniger bekannte künstlerische Werke aus dem Kanon der westlichen Moderne sowie aus Ölregionen rund um den Globus werden neu betrachtet und mit aktuellen künstlerischen Positionen in Beziehung gesetzt.

Das Projekt wurde 2016 von Beauty of Oil dem Kunstmuseum Wolfsburg vorgeschlagen. Ab Mitte 2019, nach dem (in der Presse vielfach kommentierten) Wechsel im Direktorium des Museums, wurde die mit Ralf Beil begonne Arbeit mit seinem Nachfolger Andreas Beitin mit neuem Schwung fortgesetzt.

»Fossile Rohstoffe: Eingesickert in die Gesellschaft« Interview mit Benjamin Steininger im National Geographic 6/2020

»Es ist nicht nur in unseren Motoren, es ist auch in unseren Körpern, es ist nicht nur in unseren Körpern, es ist auch in unseren Köpfen, es ist nicht nur in unserem Wissen, es ist auch in unserem Wollen und Hoffen.« (Beauty of Oil)

Sprechen wir von fossilen Rohstoffen, denken wir zuerst an Mobilität und Energie. Doch Kohle, Gas und Erdöl sind in den letzten 200 Jahren viel tiefer in unser Leben gesickert, als wir vermuten. Freiheit und Wohlstand des fossilen Zeitalters basieren ebenso wie Nylon, Arzneimittel oder Kunstdünger auf jenen Energieträgern. Ist eine Welt ohne fossile Rohstoffe überhaupt denkbar? Benjamin Steininger, Kulturtheoretiker am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und am Exzellenzcluster UniSysCat in Berlin, erklärt, wie sich die Gesellschaft emanzipieren und eine alternative Zukunft aussehen kann.

»Louisiana: A Planetary Reactor« River Journey Reflection 11/2019 by Benjamin Steininger

» Night is falling on Plaquemine Island, a couple of miles south of Baton Rouge in the middle of the Mississippi River. Our boats are cleaned, tents are set, we are getting a fire going, and I am happy to be here. At the same time, the night before I was still in some kind of shock. The plan to learn more about the Exxon Refinery at Baton Rouge, almost led to my arrest. «

In this Anthropocene River Journey reflection, Benjamin Steininger, considers how processes at both scales underpinned the false promises heralded by the petrochemical age and sustain the power the petrostate continues to wield in the region.

The Anthropocene River Campus seminar “Commodity Flows” at Tulane University at New Orleans immersed participants within a dense landscape of actual and historical commodity flows associated with the Mississippi Basin. In this second reflection, Benjamin Steininger recounts how performative intervention, the mysterious “Bureau of Commodity Flows,” and engagement with local activists served as methods for disentangling the logistical complexity that helps to obscure the operations of these flows.

»Aufbruch in eine ungewisse Zukunft / Petromelancholia and its discontents / Одуматься! Сейчас!« Beitrag von Benjamin Steininger für Petersburger Dialog 7/2019

Wie in einem System kommunizierender Röhren sind tatsächlich alle Gesellschaften auf ihre Weise betroffen, Rohstoffökonomien wie Kanada, die Golfstaaten oder Russland, aber auch In-dustrie- und Raffinerieökonomien in Europa und Asien, Produzenten und Konsumenten. Und man wird Wissen aus allen Strängen und Ecken dieses Systems benötigen, um das nächste, dann nachhaltige System zu entwickeln

Aufbruch in eine ungewisse Zukunft (Deutsch)

Petromelancholia and its discontents (English)

Одуматься! Сейчас! ( русский )