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understanding petro modernity




Die Chemie der demokratischen Gesellschaft ist in einem instabilen Systemzustand. Der ohnehin schleppende Aufbruch in sozial gerechte energetische und materielle Zukünfte scheint ausgebremst, noch ehe er richtig losgegangen war. Mehr Extraktion, mehr Verbrauch, weniger Rücksicht, weniger Ausgleich. Aber unter den ereignisgeschichtlichen Einschlägen des Moments, den Kriegen, Wahlergebnissen und reaktionären Politikwenden, liegen längere Prozesse: der Umbau des Stoffwechsels einer auf Verbrennung gebauten Zivilisation, komplexere chemische Prozessstrukturen, die Ausweitung des extraktivistischen Stoffregimes. Kann eine Kritik der fossilen Vernunft, kann eine neue Geoanthropologie Mensch und Planet produktiv statt destruktiv zusammen denken?
Chemiewende liest das Erstarken disruptiver Machtpolitik als Symptom für einen tiefgreifenden und folgenreichen Umbau in den Naturverhältnissen des anlaufenden Zeitalters – sei es noch ökologisch-demokratisch, oder per Dekret digital-nuklear-technokratisch. Nach der Petro- kommt die Multi-Elemente-Moderne, und die wird nicht weniger explosiv.

Am Mittwoch ging in Berlin der zweitägige “Petersberger Klimadialog” zu Ende. 30 Staaten berieten dort über den Klimaschutz und den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien. Gleichzeitig wurde aber auch bekannt, dass Russland ab Mai kein Öl mehr über die Druschba-Pipeline nach Deutschland liefern will. Über diese bezieht die PCK-Raffinerie in Schwedt derzeit kasachisches Öl. Das sorgte wiederum für große Verunsicherung. Wie abhängig sind wir also immer noch vom Öl?

bald mehr!

link zur DLF-Website und dem Audiofile hier
Zu diesem Interview erreichen uns auch kritische Anmerkungen zu einem zu alarmistischen Fokus auf den fossilen und damit nicht mehr zukunftsweisenden Energieträger.
1. Selbst bei großem Interesse an ruhiger Ausgewogenheit kann es sein, dass in einem Live-Interview an einem frühen Sonntag Morgen der eine oder andere balancierende Gedanke zu kurz kommt. In diesem Blog finden sich weitere Interviews der letzten Monate, die unsere Sicht ergänzen.
2. Die Lage ist tatsächlich ernst. Ernster als andere, gewohnte. Nicht zuletzt, weil es eben nicht nur um Öl geht, sondern auch um die chemische Verwandtschaft aus Erdgas, Kunstdünger, Schwefel, Edelgasen etc.
3. Selbst wenn man von der Falschheit der Abhängigkeit von allen diesen Stoffen überzeugt ist, kann man sich am kalten Entzug ganzer Welthälften insbesondere in Asien kaum erfreuen. Explodierende Preise für Propan und damit Kochstellen, für Nitratdünger und damit Nahrung, hat in Volkswirtschaften ohne finanzielle Puffer katastrophales Potenzial, von dem hiesige Hupkonzerte keinen Begriff vermitteln. Es kann also sein, dass jetzt das Falsche kurzfristig gestützt werden muss, damit nicht mittelfristig alles Richtige einstürzt.
4. Die Notwendigkeit und Richtigkeit bereits angelaufener Energie- und vor allem Chemiewenden wird durch derartige Szenarien wie jetzt in der Straße von Hormuz bestärkt statt geschwächt. Gerade wenn Öl von einem – bei allen berechtigten Zweifeln doch faktisch auch – liberalen, zu einem autoritären Stoff die Seiten wechselt, und weil sich die strategisch prekären Stoffpaletten auch in postfossilen Szenarien nicht automatisch entspannen, sind Anstrengungen, zu einer technisch aber auch gesellschaftlich anderen Chemie überzuwechseln mehr denn je zu unterstützen. Selbst wenn sie mittlerweile noch längeren Atem brauchen als ohnehin.

link zur Gesamtserie »NZZ-Geopolitik« hier link zur Sendung »Die Hormuz-Falle« hier
(link zum pdf des Interviews hier)

Öl war klarerweise einer der wichtigsten Rohstoffe des 20. Jahrhunderts. Aber was kann man aus den Werkzeugkästen der Geschichte für die Deutung dieser Tage und Wochen zwischen Venezuela, Ukraine und Grönland lernen? Die berechtige Scheu vor schnellen Antworten sollte nicht das Nachdenken über die Zusammenhänge von Geschichte und Gegenwart, Technik, Politik und Ökologie verhindern. (Link hier zum Beitrag auf SZ-Plus (paywall), bzw. zum pdf der Zeitungsseite (free) hier)





With speeches by Juri Rappsilber, Maria Andrea Mroginski, Matthias Driess, Peter Seeberger, and Benjamin Steininger, Cluster of Excellence UniSysCat celebrated its 18th anniversary at TU-Berlin.
Time, to recall the past of quite an era of outstanding catalysis research in Berlin since 2007 with UniCat and UniSysCat, and to also envision the future of a further transformation of chemistry and the respective role of research on industrial, chemical, and biochemical catalysis processes.
And high time for me, to warmly thank all UniSysCat-colleagues for their cooperation and generous support in the last seven years!