»Über das fossile Zeitalter und die Suche nach dem Weg hinaus« Interview mit Benjamin Steininger und Alexander Klose, in: Sebastian Susteck (Hg.), Erzählte Energie. Energie – Einwanderung – Erneuerung. Ausstellung 2019, Bochum 2019, S. 50-55.

»Die materielle Bedeutung fossiler Energieträger für die Epoche der Moderne wird weder in der Geschichtswissenschaft noch in der Kulturtheorie oder der Philosophie bestritten. Die uns bekannten Formen von Industrie, Wissenschaft, Kultur und Technik wären ohne den Zustrom von fossiler Energie und ohne die Materialien, die sich aus Kohle und Öl herstellen lassen, nicht möglich gewesen.
Mit unserem Schlagwort von der „fossilen Vernunft“ gehen wir aber noch einen Schritt weiter. Was nämlich mit den neuen, aus fossilen Rohstoffen produzierten Energien und Stoffen in die Welt gekommen ist, sind neue Formen von Wissen, neue Horizonte des Machbaren, neue Formen der Erwartung, die an den fossilen Energieträgern hängen.
In unseren Alltag ist Wissen über kleinste bis größte Naturzusammenhänge eingebaut, über chemische bis geohistorische, ja fast kosmische Prozesse. Bei jedem Stopp an der Tankstelle begegnen wir einer Jahrmillionen alten Vorgeschichte der Erde. Und wir halten es für selbstverständlich, dass uns die Energie dieser Vorgeschichte für unsere Zwecke zur Verfügung steht. «

»Petromoderne Petromonströs«

Beitrag von Benjamin Steininger in: Rispoli / Rosol (Hg.): Technology and Sublime, Azimuth, Philosophical Coordinates in Modern and Contemporary Age, VI (2018), nr. 12, S. 15-30.

»Man kann mit dem Auto in die Raffinerie Wien-Schwechat hineinfahren und mittendrinstehenbleiben, in der Dämmerung, an einem Frühlingsabend. Beeindruckend ist schon der den allermeisten Bewohnern oder Besuchern Wiens vertraute Blick von der Autobahn oder von derFlughafen S-Bahn aus. Über mehrere Quadratkilometer erstrecken sich zwischen Stadt und Flughafenriesige Tanks, turmhohe, chemische Reaktoren und ein Geflecht aus vertikalen und horizontalenRohrleitungen. […]
Dieser Beitrag nähert sich chemischer Technik als einem konkreten Begegnungspunkt abstrakterDichotomien. Als Kategorie der Ästhetik liegt das Erhabene nicht in den Dingen selbst, sondern in derWahrnehmung und Empfindung. Im Abschreiten einiger, im Anblick einer Raffinerie nicht direktwahrnehmbarer, historisch und systematisch aber dort präsenter Bedingungen soll das Potenzialdieser Technik für die Reflexion der Ästhetik der Gegenwart ausgelotet werden. «

»Im Bann der fossilen Vernunft« Beitrag von Alexander Klose und Benjamin Steininger in: 12/2018, Merkur sowie auf zeitonline.de

»Das widersprüchliche Erbe der fossilen Energieträger wird der Welt noch lange erhalten bleiben. Selbst wenn es gelingt, die destruktivsten Formen des Öl-, Kohle- und Gasgebrauchs aus der Welt zu schaffen, wird es Formen ihres Nachlebens geben, und zwar sowohl auf stofflicher Ebene als auch in Ökonomie, Politik und Gesellschaft und in den im fossilen Zeitalter eingeübten Denk- und Verhaltensmustern. An diesem Punkt muss jede Kritik ansetzen, die mehr als nur Oberflächenphänomene erfassen will. Von einem Standpunkt gleichzeitiger äußerster Fremde und größter Nähe aus geht es um die nüchterne Einsicht, dass uns das fossile Regime nicht äußerlich ist. Es geht vielmehr mitten durch uns hindurch.«

»Plastikzeit« und »Sand | Beton | Sediment« Beiträge von Alexander Klose und Benjamin Steininger in: Andreas Hofbauer (Hg.), Bleibende Steinzeit, Tumult – Schriften zur Verkehrswissenschaft, Bd. 42., Wien: Sonderzahl 2018

Steine und Gestein sind keineswegs weltlos passive Objekte. In einem Netzwerk komplexer Wirkungsweisen bestimmen sie – denn schließlich ist selbst der Planet, auf dem wir uns bewegen, ein gewaltiger Gesteinsbrocken, der durch den Raum rast – unser Dasein zeitlich mit (von der geologischen Tiefenzeit zur möglichen mineralogischen Eschatolgie). Plattentektonik und Plattenbau, soil peak und Siliziumarchitektur, Fossilien und dying buildings: überall insistieren nachdrücklich Steine.
In diesem Band werden sie nicht in enge Rahmungen gezwungen, sondern ihre Narrative werden mit der Physik des Materials in Verbindung gebracht. Weshalb auch etwa Plastik, Zungenpiercing, Teersande, Goldmünzen, Petrus und das Loch im Stein aufgerufen sind.

Alexander Klose: Plastikzeit, in: Andreas Hofbauer (Hg.), Bleibende Steinzeit, Tumult – Schriften zur Verkehrswissenschaft, Bd. 42., Wien: Sonderzahl 2018, S. 121-132.

Benjamin Steininger: Sand | Beton | Sediment, in: Andreas Hofbauer (Hg.), Bleibende Steinzeit, Tumult – Schriften zur Verkehrswissenschaft, Bd. 42., Wien: Sonderzahl 2018, S. 30-42.

»Maasvlakte 2 – Venlo – Autobahn – Köln – Wien« Ein Ritt durch die Petroleumscape zwischen Rotterdam und Mitteleuropa von Benjamin Steininger im Mai 2017

»Dann wird es ärgerlich. Denn genau zwischen Venlo und Mönchengladbach liegen zwar – wie ich aus dem Historikerbuch in meinem Koffer weiß – seit den 1950ern Pipelines zum reibungslosen Transport von Millionen von Tonnen von Kohlenwasserstoffen, aber der Eisenbahntakt denkt hier weiter in Landesgrenzen. Taktlücke, Unterbrechung, den Nachtzug in Köln kann ich vergessen! «