Plankton and drill head – digital revue and image amplified discursive event on Norway’s petromodern past, presence and future(s)

A collaboration with Kunsthall Trondheim and Goethe-Institut Oslo.

November 5 2020, 7 – 9pm at Kunsthall Trondheim and online.

To participate online (via zoom) click here.

Proposal for 500-krone-note by Ellen Karin Mæhlum, from: Norges Bank, Forslag til motiver på ny seddelserie. Norges ny seddelserie: Havet, 2014.

In a musée imaginaire of the Norwegian history of extraction, a competition published by the Bank of Norway in 2014, calling for a new banknote design, could play a central role. The submitted sketches depict Norway as a land oriented towards the sea, in which the sea is simultaneously understood as an elementary space, a space of extraction and a molecular space of microorganisms and chemical compounds.

One of the unrealised banknote designs contrasts the natural form of a paleohistorical plankton particle that was part of oil formation with the technical shape of a drill head used for oil exploration. It is a complementary image of the molecular essence of oil technology and the opening up of natural history as a source of economic wealth by technological means. It may indeed be an image for the way Norway has approached its own petrol age.

Since the 1970s, Norway has been one of the most successful oil and gas extraction countries worldwide. Apart from other extraction countries, the depletion of fossil resources was anticipated before explorations began, giving rise to the notion of a sustainable post-oil future. Yet, the energetical base of fossil modernity on which Norway has built its social-democratic prosperity has become increasingly problematic. While the country has moved towards more sustainable means of energy production, it has not stopped its oil and gas extraction. New oil and gas fields are opening up and widening the area of exploration as far as the Arctic. The end of oil is being postponed, or so it seems. At the same time, Norway decidedly moves towards a post-fossil future by banning combustion engines on its own terrain and positioning itself as the sustainable“battery for Europe” thanks to its large reservoirs of hydro power.

We are witnessing a move from fishing to industrial whaling to oil extraction to hydrotechnology and back—and all at the same time. This event will focus from a petrocultural-comparative perspective on questions such as: How does Norwegian society cope with these ambivalent moves? How does it culturally represent its petromodern legacy? What are the grand narratives that were established to lead Norway into petromodernity and beyond? Have they changed?

Out now! Alexander Klose, Benjamin Steininger: Erdöl. Ein Atlas der Petromoderne. Berlin: Matthes&Seitz 2020

Das Buch ist vieles in einem: historisches und geografisches Sachbuch, kulturtheoretischer Essay, Bilderbuch. In dreiundvierzig, von ebenso vielen Bild-Fundstücken inspirierten Kapiteln, entwickeln wir ein technisches, geografisches, politisches und spekulatives Panorama der sich neigenden Erdölmoderne.

Wir schlendern nach Baku, Louisiana, in die Mandschurei und durchs Wiener Becken. Wir lesen Karl Valentin, technische Handbücher und hören Neil Young. Es geht zum Mond, durch Raffinerien und über corona-leere Highways. Wir verknüpfen Petrochemie mit Petromelancholie, Katalyse mit Katharsis, Kosmos mit Kosmetik. Es geht um die Abgründe und Höhenflüge eines Stoffes, der unsere Epoche in all ihren Widersprüchen durchzieht, und dessen Rolle für unsere Gegenwart wir verstehen sollten, um ihn dann hinter uns zu lassen.

324 Seiten, 43 Abbildungen, davon 21 in Farbe, Hardcover, 26 EUR, ISBN: 978-3-95757-942-3

»Oil. Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters«. Ausstellung am Kunstmuseum Wolfsburg 6-9/2021

Verheißungen und Verheerungen des 20. Jahrhunderts hängen am Öl. Die Ausstellung fokussiert beides aus einer fiktiven archäologischen Ferne und sucht zugleich eine thematische und emotionale Nähe: Erste Retrospektive auf die Erdölmodere im Spiegel der Kunst.

Jenseits festgefahrener Ideologien konfrontiert »Oil« künstlerische Arbeiten mit Naturwissenschaft und Technik, Politik und Alltagsleben. Klassiker und weniger bekannte künstlerische Werke aus dem Kanon der westlichen Moderne sowie aus Ölregionen rund um den Globus werden neu betrachtet und mit aktuellen künstlerischen Positionen in Beziehung gesetzt.

Das Projekt wurde 2016 von Beauty of Oil dem Kunstmuseum Wolfsburg vorgeschlagen. Ab Mitte 2019, nach dem (in der Presse vielfach kommentierten) Wechsel im Direktorium des Museums, wurde die mit Ralf Beil begonne Arbeit mit seinem Nachfolger Andreas Beitin mit neuem Schwung fortgesetzt.

»Fossile Rohstoffe: Eingesickert in die Gesellschaft« Interview mit Benjamin Steininger im National Geographic 6/2020

»Es ist nicht nur in unseren Motoren, es ist auch in unseren Körpern, es ist nicht nur in unseren Körpern, es ist auch in unseren Köpfen, es ist nicht nur in unserem Wissen, es ist auch in unserem Wollen und Hoffen.« (Beauty of Oil)

Sprechen wir von fossilen Rohstoffen, denken wir zuerst an Mobilität und Energie. Doch Kohle, Gas und Erdöl sind in den letzten 200 Jahren viel tiefer in unser Leben gesickert, als wir vermuten. Freiheit und Wohlstand des fossilen Zeitalters basieren ebenso wie Nylon, Arzneimittel oder Kunstdünger auf jenen Energieträgern. Ist eine Welt ohne fossile Rohstoffe überhaupt denkbar? Benjamin Steininger, Kulturtheoretiker am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und am Exzellenzcluster UniSysCat in Berlin, erklärt, wie sich die Gesellschaft emanzipieren und eine alternative Zukunft aussehen kann.

»Louisiana: A Planetary Reactor« River Journey Reflection 11/2019 by Benjamin Steininger

» Night is falling on Plaquemine Island, a couple of miles south of Baton Rouge in the middle of the Mississippi River. Our boats are cleaned, tents are set, we are getting a fire going, and I am happy to be here. At the same time, the night before I was still in some kind of shock. The plan to learn more about the Exxon Refinery at Baton Rouge, almost led to my arrest. «

In this Anthropocene River Journey reflection, Benjamin Steininger, considers how processes at both scales underpinned the false promises heralded by the petrochemical age and sustain the power the petrostate continues to wield in the region.

The Anthropocene River Campus seminar “Commodity Flows” at Tulane University at New Orleans immersed participants within a dense landscape of actual and historical commodity flows associated with the Mississippi Basin. In this second reflection, Benjamin Steininger recounts how performative intervention, the mysterious “Bureau of Commodity Flows,” and engagement with local activists served as methods for disentangling the logistical complexity that helps to obscure the operations of these flows.

»Aufbruch in eine ungewisse Zukunft / Petromelancholia and its discontents / Одуматься! Сейчас!« Beitrag von Benjamin Steininger für Petersburger Dialog 7/2019

Wie in einem System kommunizierender Röhren sind tatsächlich alle Gesellschaften auf ihre Weise betroffen, Rohstoffökonomien wie Kanada, die Golfstaaten oder Russland, aber auch In-dustrie- und Raffinerieökonomien in Europa und Asien, Produzenten und Konsumenten. Und man wird Wissen aus allen Strängen und Ecken dieses Systems benötigen, um das nächste, dann nachhaltige System zu entwickeln

Aufbruch in eine ungewisse Zukunft (Deutsch)

Petromelancholia and its discontents (English)

Одуматься! Сейчас! ( русский )

»Über das fossile Zeitalter und die Suche nach dem Weg hinaus« Interview mit Benjamin Steininger und Alexander Klose, in: Sebastian Susteck (Hg.), Erzählte Energie. Energie – Einwanderung – Erneuerung. Ausstellung 2019, Bochum 2019, S. 50-55.

»Die materielle Bedeutung fossiler Energieträger für die Epoche der Moderne wird weder in der Geschichtswissenschaft noch in der Kulturtheorie oder der Philosophie bestritten. Die uns bekannten Formen von Industrie, Wissenschaft, Kultur und Technik wären ohne den Zustrom von fossiler Energie und ohne die Materialien, die sich aus Kohle und Öl herstellen lassen, nicht möglich gewesen.
Mit unserem Schlagwort von der „fossilen Vernunft“ gehen wir aber noch einen Schritt weiter. Was nämlich mit den neuen, aus fossilen Rohstoffen produzierten Energien und Stoffen in die Welt gekommen ist, sind neue Formen von Wissen, neue Horizonte des Machbaren, neue Formen der Erwartung, die an den fossilen Energieträgern hängen.
In unseren Alltag ist Wissen über kleinste bis größte Naturzusammenhänge eingebaut, über chemische bis geohistorische, ja fast kosmische Prozesse. Bei jedem Stopp an der Tankstelle begegnen wir einer Jahrmillionen alten Vorgeschichte der Erde. Und wir halten es für selbstverständlich, dass uns die Energie dieser Vorgeschichte für unsere Zwecke zur Verfügung steht. «

»Petromoderne Petromonströs«

Beitrag von Benjamin Steininger in: Rispoli / Rosol (Hg.): Technology and Sublime, Azimuth, Philosophical Coordinates in Modern and Contemporary Age, VI (2018), nr. 12, S. 15-30.

»Man kann mit dem Auto in die Raffinerie Wien-Schwechat hineinfahren und mittendrinstehenbleiben, in der Dämmerung, an einem Frühlingsabend. Beeindruckend ist schon der den allermeisten Bewohnern oder Besuchern Wiens vertraute Blick von der Autobahn oder von derFlughafen S-Bahn aus. Über mehrere Quadratkilometer erstrecken sich zwischen Stadt und Flughafenriesige Tanks, turmhohe, chemische Reaktoren und ein Geflecht aus vertikalen und horizontalenRohrleitungen. […]
Dieser Beitrag nähert sich chemischer Technik als einem konkreten Begegnungspunkt abstrakterDichotomien. Als Kategorie der Ästhetik liegt das Erhabene nicht in den Dingen selbst, sondern in derWahrnehmung und Empfindung. Im Abschreiten einiger, im Anblick einer Raffinerie nicht direktwahrnehmbarer, historisch und systematisch aber dort präsenter Bedingungen soll das Potenzialdieser Technik für die Reflexion der Ästhetik der Gegenwart ausgelotet werden. «

»Im Bann der fossilen Vernunft« Beitrag von Alexander Klose und Benjamin Steininger in: 12/2018, Merkur sowie auf zeitonline.de

»Das widersprüchliche Erbe der fossilen Energieträger wird der Welt noch lange erhalten bleiben. Selbst wenn es gelingt, die destruktivsten Formen des Öl-, Kohle- und Gasgebrauchs aus der Welt zu schaffen, wird es Formen ihres Nachlebens geben, und zwar sowohl auf stofflicher Ebene als auch in Ökonomie, Politik und Gesellschaft und in den im fossilen Zeitalter eingeübten Denk- und Verhaltensmustern. An diesem Punkt muss jede Kritik ansetzen, die mehr als nur Oberflächenphänomene erfassen will. Von einem Standpunkt gleichzeitiger äußerster Fremde und größter Nähe aus geht es um die nüchterne Einsicht, dass uns das fossile Regime nicht äußerlich ist. Es geht vielmehr mitten durch uns hindurch.«