»Oil« has left the building – im übertragenen und im sehr materiellen Sinn. Die Wolfsburger Ausstellung »Oil. Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters« hat ihre Tore geschlossen

Seit 3. September 2021 und bis zum 9. Januar 2022 war »Oil« unter großem Medien- und Publikumsinteresse am Kunstmuseum Wolfsburg geöffnet – erfreulicherweise ohne einen einzigen Tag Corona-Ausfall.

Jetzt schreitet der Abbau mit Riesenschritten voran. Leihstücke aus aller Welt und in tatsächlich allen Erscheinungsformen treten die Heimreise an: vom 14 Meter breiten Wandrelief von Tony Cragg bis zur 3 mm kleinen Ölfliege aus Kalifornien.

400 Liter Öl aus dem Ölspiegel wurden abgepumpt und wiederverwertet, getreu dem Motto unseres Ausrüsters Avista-Oil: »Jedes Ende ist ein neuer Anfang« (siehe unten, Aufschrift LKW).

Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlich auf diesem Weg beim gesamten Museumsteam in Wolfsburg für die tolle Zusammenarbeit und wünschen alles Gute für den unmittelbar anschließenden Aufbau von »Macht! Licht!« (Eröffnung am 12.3.2022)!

Fotos: Elena Engelbrechter

Out now! Штайнингер/Клозе: »Нефть. Атлас петромодерна«! Unser Erdölatlas in russischer Übersetzung! Zum Preis von 1210rub. Eine Kooperation mit dem Goethe-Institut Novosibirsk, dem Verlag logos/lettera und der Buchhandlung Gnosis Moskau

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Беньямин Штайнингер, Александр Клозе: Нефть. Атлас петромодерна

М.: Издательство “Логос”, ООО “НПТ”. Москва 2021. – 324 с.
ISBN 5-8163-0088-9 (Серия: letterra.org/off-university)

Стоит 989 р.

Перевод и издание книги осуществлены при поддержке Гёте-Института

Нефть (Erdöl) вездесуща, преобразуется в множество личин и состояний (вот она как «топливо», а вот как «полиэтиленовый пакет», «помада» или «воздушный шарик»), оставаясь при этом невидимой. Одновременно чудесная и роковая субстанция, она по преимуществу символизирует как надежды и соблазны, так и угрозы и страхи нашего времени. И чтобы вновь освободиться от них, нам нужно уметь понимать, с чем мы имеем дело в наших двигателях, лабораториях и телах, в наших науках и мечтах. В этом богато и тонко проиллюстрированном Атласе рассказаны 43 истории о Нефти как «материальном бессознательном современности»: о глубоком бурении и космических путешествиях, о роскошных телах и прирученных молекулах, о невероятном богатстве, молниеносной войне и разрушении ценностей. Потому что Нефть – это больше, чем просто сумма ее молекул: это солнечный свет, накопленный за миллионы лет, это концентрированная история Земли, это чудодейственная смазка, позволяющая крутиться «колёсам» петромодерна, нашей нефтесовременности – вопреки (и благодаря!) всей ее противоречивости.

»Нефть. Атлас петромодерна« am Stand der Buchhandlung ‘Gnosis’ auf der Buchmesse non/fiction#23 12/2021, Moskau (Fotos: Oleg Nikiforov)

“Загадочная книга…..” (“ein mysteriöses Buch…”) Rezension auf gorky.media (link hier)

Schöner Blick ins Buch auf labirint.ru

Und eine schöne Rezension ebenfalls hier:

“Нефть, хоть и выглядит, субстанцией плотной, чёрной и со специфическим запахом при добыче, когда «качалка нефть качает», умеет делаться невидимой , но абсолютно незаменимой в нашей жизни. Пусть мы этого и не замечаем, но тепло, свет, авто, средства красоты и прочие штучки от космоса, до азокерита для компрессов, всё это разные ипостаси чёрного золота. Войны, переделы сфер влияния, шантаж и подкупы, преступления – не нефть виновата в этом. Книга Александра Клозе и Беньямина Штайнингера открывает нам разные стороны тайной жизни нефти. Своего рода «всё, что вы хотели знать о нефти, но стеснялись спросить».
Стильно оформлена, проклеена, вроде бы, плотно. Хорошая печать, много иллюстраций и текст вполне доступен. Местами читается как детектив, в целом – познавательно. Полезной может оказаться многим, поскольку нефть, поистине, вездесуща и многолика.”

»Beauty of Oil« am 24.11.2021 in der ARTE-Sneak-Preview am Kunstmuseum Wolfsburg: »Petro-Melancholie. Das Erdölzeitalter im Spiegel der Kunst.« Ein Film von Mathias Frick. Und am 11.5.2022 auf ARTE!

Wir wurden in einen Rausch an einem Stoff hineingeboren, der uns einst grenzenlose Freiheit, die Moderne und Lebenskomfort versprach. Das Erdöl, mit seiner schier endlosen Produktpalette, hat wie kaum ein anderer Stoff unsere moderne Gesellschaft geprägt und verändert. Und unsere Welt gleichzeitig in großes Leid gestürzt. Heute ist unser Öl-Rausch zu Ende, die Dämmerung des Erdölzeitalters hat begonnen und der Film blickt mit Künstlern und Künstlerinnen zurück auf die Petromoderne – unser Zeitalter des Öls.

Und er stellt sich die Frage: Was hat das Erdöl nur mit uns gemacht und warum fällt es uns so schwer, uns von dem schillernd schwarzen Rohstoff zu lösen?

Produktion: VIVE la DOK Filmproduktion und Navigator Film (Österreich) in Koproduktion mit ZDF/ARTE, 2021, Regie: Mathias Frick, 52 min

Alexander Klose, Benjamin Steininger: Erdöl. Ein Atlas der Petromoderne. Berlin: Matthes&Seitz 2020

Das Buch ist vieles in einem: historisches und geografisches Sachbuch, kulturtheoretischer Essay, Bilderbuch. In dreiundvierzig, von ebenso vielen Bild-Fundstücken inspirierten Kapiteln, entwickeln wir ein technisches, geografisches, politisches und spekulatives Panorama der sich neigenden Erdölmoderne.

Wir schlendern nach Baku, Louisiana, in die Mandschurei und durchs Wiener Becken. Wir lesen Karl Valentin, technische Handbücher und hören Neil Young. Es geht zum Mond, durch Raffinerien und über corona-leere Highways. Wir verknüpfen Petrochemie mit Petromelancholie, Katalyse mit Katharsis, Kosmos mit Kosmetik. Es geht um die Abgründe und Höhenflüge eines Stoffes, der unsere Epoche in all ihren Widersprüchen durchzieht, und dessen Rolle für unsere Gegenwart wir verstehen sollten, um ihn dann hinter uns zu lassen.

324 Seiten, 43 Abbildungen, davon 21 in Farbe, Hardcover, 26 EUR, ISBN: 978-3-95757-942-3

U5 Unter den Linden, Bahnhof der Wissenschaften

Am 4.12.2020 eröffneten – coronabedingt ohne jegliche festliche Aktivitäten – nach vielen Jahren Bauzeit die neuen U-Bahnstationen der vom Alexanderplatz bis zum Hauptbahnhof Berlin verlängerten U-Bahnlinie 5. Auf dem Bahnsteig der Station Unter den Linden bietet sich den Fahrgästen ein ungewohntes Bild. Statt Werbung zeigen die Bild- und Texttafeln hinter dem Gleisbett “anthropozäne Umwelten” wie Atmosphäre, Eis, Feld&Fabrik, Stadt, Ozean oder Wald&Boden und dazu gehörige Namen und Begriffe. Für Petrokulturforscher alte Bekannte tauchen dort auf, wie das freundliche Carbon Atom mit den vier verbindungsfreudigen Armen aus einem US-amerikanischen Industriefilm von 1946, das über einer Pipeline tanzt, oder die in Planquadrate unterteilte Sokkelkart des norwegischen Kontinentalschelfs, auf der 1965 erstmals die Gebiete für zukünftige Erdölexploration eingezeichnet und festgelegt wurden.

Das ist kein Zufall, denn Konzept und Gestaltung des U-Bahnhofs entstand aus einer Zusammenarbeit von Daniel Schiel von Schiel Projekt, Gunnar Green von TheGreenEyl, der Illustratorin Nele Brönner, die die Wimmelbilder zeichnete, und Alexander Klose von Beauty of Oil (und in diesem Fall: Büro für prekäre Konzepte), der für Recherche und inhaltliche Konzeption hauptverantwortlich war.

Eine vertiefende Einführung in die Grundsätze der Gestaltung und Hintergrundinformationen zu bislang drei der vielen auf den Wimmelbildern gezeigten Elemente anthropozäner Umwelten gibt es auf der Open Humboldt-Website.

Interview mit Alexander Klose über Bahnhof der Wissenschaften hier.

Bahnhof der Wissenschaften auf Instagram.

»U-Bahnhof wird Think-Tank«, Artikel im Tagesspiegel vom 8.12.2020: https://www.tagesspiegel.de/wissen/kunst-im-untergrund-u-bahnhof-wird-think-tank/26698692.html